02
November
2019

Zwei Tage Intensiv-Lehrgang Kodokan-Goshinjutsu

Man kann es ganz einfach ausrechnen: bei einem typischen 6-Stunden Lehrgang stehen 360 Minuten zur Verfügung, die sich auf 21 Angriffs- und Abwehrtechniken verteilen.

Das macht dann pro Technik rund 17 Minuten für Erklären, Demonstrieren, Üben, Korrigieren, Ergänzen, auf der Matte verteilen, wieder zusammenzukommen usw. Weil die typischen eintägigen Lehrgänge in Anbetracht dessen naturgemäß nur an der Oberfläche kratzen können, bieten die beiden Landesreferenten Ulla Loosen (Ju-no-Kata) und Wolfgang Dax-Romswinkel (Kodokan-Goshinjutsu) zweitägige Lehrgänge an, wodurch sich die Zeit pro Technik naturgemäß verdoppelt.

Dieses Angebot nahm eine bunte Gruppe von 18 Judoka – vom Breitensportler bis hin zu Europa- und Weltmeistern – am 26. Und 27. Oktober im Düsseldorfer Leistungszentrum an. Gerade die Mischung aus sehr erfahrenen Kata-Experten, SV-Experten, die auch intensiv Jujutsu betreiben, und Neulingen auf dem Gebiet der Kodokan-Goshinjutsu ermöglichte einen regen Austausch. So konnten zum Beispiel immer wieder Querverbindungen zu anderen Kata, insbesondere der Kime-no-Kata, der Ju-no-Kata und der Katame-no-Kata hergestellt werden. Hierdurch wurde Kodokan-Judo als Gesamtsystem erkennbar, in dem jede Kata den ihr eigenen Stellenwert hat.

Die Kodokan-Goshinjutsu bildet dabei die Struktur der modernen Selbstverteidigung des Kodokan-Judo ab (Verteidigung gegen Angriffe durch (Er-)Greifen, Schlagen/Treten, mit Messer, Stock und Pistole aus jeweils verschiedenen Richtungen). Andererseits enthält sie einen Grundstock an exemplarischen Lösungen, anhand derer vor allem die übergreifenden und auch zeitlosen Prinzipien von Angriff und Abwehr studiert werden können und sollen. Die Idee ist dabei natürlich, nicht bei diesen vorgegebenen Aktionen stehen zu bleiben, sondern diese als Ausgangspunkt für Variationen und Ergänzungen zu nutzen. Versteht man die Kodokan-Goshinjutsu in diesem Sinn, wird sie in der Tat zeitlos und die Kritik, dass diese Kata vor mittlerweile 63 Jahren entstanden ist und der Terminus „modern“ eher unpassend sei, relativiert sich in diesem Licht.

Der Dank für die Organisation vor Ort geht an Sebastian Bergmann, der natürlich ebenfalls auf der Matte stand. Den Zugewinn für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer müssen diese selbst beurteilen. Der Berichterstatter und gleichzeitig Referent war jedenfalls sehr zufrieden mit dem Übungseinsatz und auch den Ergebnissen.

Text: Wolfgang Dax-Romswinkel

Foto: Stefan Korte