Biographie: Franz-Karl Patzner

Was wären wir ohne unsere Lehrer? Jeder kann sicherlich so einige Geschichten von seinen Anfängen berichten. Was ihn geprägt hat. Was ihn am Judo fasziniert hat. Wieso man dabei geblieben ist. Eine ganz erhebliche Rolle wird die Person spielen, die einen in den Sport eingeführt hat - der Trainer. Das NWDK stellt an dieser Stelle hochdekorierte Dan-Träger aus Nordrhein-Westfaen, die den Judosport und das NWDK maßgeblich beeinflußt haben. Den Anfang hatte vor einiger Zeit Franz Ostolski gemacht. Nun folgt Franz-Karl Patzner.

 


Farnz-Karl-Patzner

 

 

Name:    Franz – Karl Patzner

Graduierungen: 7. Dan Judo (3. Dan Kodokan), 5. Dan Jiu Jitsu, 3. Dan Ju-Jutsu

Jahrgang:    1927

Judoverein:    1. Bonner Judo - Club, Uni-Judo-Club Bonn, Judo-Sport-Union-Bonn


 

Wie bist Du zum Judo gekommen? (kleine Geschichte, der erste Trainer, Deine Vereine)

Im Februar 1946 als ich als Mitglied der Legion in Saigon weilte, bewachten internierte Japaner das Munitionsdepot und das Tanklager. Die Offiziere, von denen eine Reihe in Deutschland studiert hatten und daher deutsch sprachen, waren mit einem Stock ausgerüstet, den sie als Schwertersatz für Kendo einsetzten. Nach einigen Trainingsstunden fragte ich diese, ob es nicht eine andere Selbstverteidigungssportart gäbe, bei der Hilfsmittel nicht erforderlich seinen, denn wer läuft als junger Mann mit einem Stock durch die Gegend. Sie bejahten dies und unterrichteten mich in Judo.
Ende 1948 traf ich in Mascara (Algerien)  glücklicherweise Jean Mercier und Ari Rinnert, sodass ich das Judotraining fortsetzen konnte. Bei Dienstfahrten nach Sidi – Bel – Abbes nutzte ich die Gelegenheit, um bei Maitre Segnerie Judo zu machen.
1950 kam ich dann nach Bonn zur „Hohen Kommission“, bei der ich überwiegend als Dolmetscher tätig war.
Ich suchte eine Möglichkeit weiter Judo zu betreiben und fand in der Karlsschule den Judo-Club Samurai von Heinrich Lülsdorf. Als 1955 Lülsdorf auf unerklärliche Weise verschwand und wir nicht sicher sein konnten, ob noch offene Verpflichtungen bestanden, entschlossen wir uns einen neuen Verein zu gründen. So wurde im Mai 1955 der 1. Bonner Judo – Club ins Leben gerufen.
Im Wintersemester 1960/61 gründete ich unter anderem mit Horst Patrosio den Universitäts-Judo-Club Bonn und zwei Jahre später wurden wir mit der Mannschaft Deutscher Hochschulmeister.
1961 eröffnete ich mit Einwilligung des damaligen DJB Präsidenten Max Deepke mein eigenes Dojo.
Drei Jahre später, 1965 löste ich dann mein Arbeitsverhältnis bei der französischen Botschaft und war fortan als hauptberuflicher Judolehrer tätig.
Ein weiterer Meilenstein war die Gründung der Judo-Sport-Union-Bonn 1982, welche sich bis 1990 bis in die 2. Bundesliga hoch kämpfte, wobei zu bemerken ist, dass diese Kämpfer ausschließlich Amateure waren.


Gibt es besondere Erlebnisse im Judobereich, an die Du Dich gerne erinnerst? (Lustiges oder auch ernsthaftes auf oder neben der Matte)

Meine Aktivitäten als Bundes- und Internationaler Kampfrichter von 1957 bis 1990 haben mich weit in der Welt herumkommen lassen. Die Einsätze reichten von Weltmeisterschaften, Europameisterschaften, Europa-Cup, bis hin zu Internationalen Turnieren und Länderkämpfen und endeten mit meiner Tätigkeit als Beobachter der EJU bis 1991.
Auf diesen Reisen lernte ich viele tolle Personen kennen, welche man dann immer wieder erneut auf Veranstaltungen traf und sich so Freundschaften entwickelten, wie zu Meister Ishiro Abe, einer der drei derzeitig höchsten Danträgern des Kodokan.
Gerne erinnere ich mich auch an folgende Begebenheit im Zusammenhang mit einem der deutsch – französischen Lehrgänge. Es war im Jahre 1966, als wir in Lübeck auf der Passat gastierten und wir mit unseren französischen Freunden nach Gedser (Dänemark) übersetzten. Da ich als Verantwortlicher dafür Sorge tragen musste, dass alle das Schiff verließen und keiner verloren ging, stand ich noch an der Gangway, als schon die neuen Gäste auf die Fähre wollten. Bekleidet mit einem dunklen Blazer, an dem der Bundesadler prangte, hielten diese mich für eine wichtige Person und wollten mir vor dem Betreten des Schiffes ihre Pässe zeigen, was zu allgemeiner Belustigung beitrug.
Besonders betroffen haben mich seiner Zeit die Berliner – Beschlüsse im Jahre 1963, nachdem ich vorher bei den Internationalen deutschen Meisterschaften in Aachen im Halbfinale stand. Diese Beschlüsse stempelten Gerd Alpes, Manni Kraft, Heiner Metzler und mich als Profis ab, nur weil wir eigene Dojos hatten. Wir wurden für alle Wettkämpfe gesperrt! Und dies nachdem man uns vorher gedrängt hatte im Judo neue Wege zu beschreiten!

Wie hast du die Entstehung des NWDK miterlebt oder dazu beigetragen?

Natürlich war ich bei der Gründungsversammlung des NWDK beteiligt, als ehemaliger Vorsitzender des Dan-Kollegiums Nordrhein-Westfalens.
Nachdem der DJB das DDK abgeschafft hatte, wurde das NWDK ins Leben gerufen, als eigenständige Institution für Dan-Träger, weil dies sich über Jahrzehnte bewährt hatte.

Welche Vorstellungen hast Du für den weiteren Weg des NWDK?

Dass das NWDK möglichst alle Bestimmungen und Ordnungen des DJB wortgetreu übernimmt, ohne Ausnahmen!

Gibt es etwas, was Dir besonders am Herzen liegt?

Judo weiter voranzutreiben als Ertüchtigung von Körper und Geist und den Erziehungsgedanken weit voranzustellen. Auch als Mittel der Völkerverständigung und der Jugendarbeit. Hier erinnere ich mich gerne an den deutsch – französischen Jugendlehrgang auf der Passat in Travemünde.

Deine eigene Judoweisheit in einem Satz!

Der Weg ist das Ziel!

Internationale Einsätze ab 1961

WM:
1961 Prag
1971 Ludwigshafen

CISM:
1967 Ostende
1971 Wien
1973 Hammelburg
1974 Rio de Janeiro
1974 Venlo
1976 Venlo
1977 Bergen op Zoom
1978 Strassbourg
1980 Graz
1981 Colorado Springs
1988 Brüssel
Warendorf

EJU-EM:
1962 Essen
1963 Genf
1965 Madrid
Luxemburg
Schwenningen
1967 Lissabon
Rom
1968 London
Ostende
1970 Bordeaux
1971 Göteborg
1972 Leningrad
1973 Madrid
1974 Tel-Aviv
1975 Lyon
München
1976 Kiew
1978 Den Haag
Brüssel
Luxemburg
Köln
1979 Edinburgh
1981 Madrid
1982 Tirgoviste
1983 Genua
1985 Landskrona
1988 Vise
Wien

Internationale Turniere und Länderkämpfe
1964 Delft
1965 Arlon
Antwerpen
1966 Arlon
Strasswalchen
1967 Den Haag
Liege
St. Niklaas
1968 Burges
1973 Trois
Woluwe-Saint-Lambert
1974 Bukarest
1975 Perpignan
Poitiers
1977 Bukarest
1978 Tiflis
Warschau
Bukarest
Wien
Namur
1979 Tiflis
Debrecen
1980 Trois
Warschau
Lund
1982 Prag
1982 Karthum
1983 Karthum
Den Haag
Potsdam
1984 Lovetch
Bukarest
Kerkrade
1985 Paris
Kerkrade
Warschau
1986 Paris
Kerkrade
Budapest
1987 Slagharen
1988 Potsdam
London
1989 Rauris
Nieuwegein

Europa-Cup
1976 Maison-Alfort
Ammerfort
1982 Grenchen
1983 Grenchen
1986 Orleans
1987 Orleans
Ronse

Beobachter der EJU:
1991 Orleans
Samsun
Harlem

Instrukteur der EJF:
1975 Olecko

Dolmetscher bei verschiedenen Kongressen, Tagungen und anderen Anlässen.

Erhaltene Ehrungen / Auszeichnungen

Ehrennadel der Stadt Bonn
Ehrenmitglied folgender Judovereine:     1. Bonner Judo Club
Eitdorfer Judoclub
Uni-Judo-Club Bonn
Judo-Sport-Union-Bonn
Aikido – Club Siegburg
SC – Arashi Bonn
Sieglarer Turnverein 1897 e.V.


Ehrenamtliche Tätigkeiten

Vereinsebene

seit 1960      Vorsitzender des 1. Bonner Judo-Club
1982 – 1991 Geschäftsführer der Judo Union Bonn

Kreisebene

seit 1960      Kreis-Dan-Vorsitzender des Kreis Bonn
1960             Kreisfachwart Kreis Bonn / Rhein-Sieg-Kreis / Kreis Euskirchen

Bezirksebene

1960             Bezirksfachwart des Kreis Köln

Landesebene

1956 – 1959 Schatzmeister im NWJV
1959 – 1961 Kampfrichterobmann im NWJV
1966 - 1968 Vorsitzender des NWDK
seit 1989      Mitglied im Rechtsausschuss des NWJV
seit 1991      Mitglied im Rechtsausschuss des NWDK
seit 2002      Mitglied im Ehrenrat des NWDK

Bundesebene

1957 – 1990 Bundeskampfrichter

Internationale Ebene

1960 – 1989 Internationaler Kampfrichter
1975             Lehrer bei der Europäischen Judo-Union

 Das Interview führte Roman Jäger.