Kata-Weltmeisterschaften in Budapest: Respektable Ergebnisse PDF Drucken E-Mail

Nachdem bei den ersten Kata-Weltmeisterschaften in Malta zwei deutsche Paare die Finalrunde erreicht hatten, fuhr die auf zehn Paare gewachsene deutsche Mannschaft mit berechtigten Hoffnungen auf eine Steigerung dieses Ergebnisses zur zweiten Auflage der Welttitelkämpfe nach Budapest. Am Ende reichte es aber dennoch nur zu einer Qualifikation für die Endrunde der besten sechs und zu drei „special awards“.

Drei Faktoren verhinderten ein besseres Ergebnis. Einige Länder wie z.B. der Iran arbeiten äußerst intensiv im Katabereich und sind spätestens seit diesen zweiten Weltmeisterschaften in der Weltspitze fest etabliert. Leider erwischte es die meisten deutschen Paare mit dem undankbaren Startplatz eins in ihrer Vorrundengruppe, während die Medaillegewinner der letzten Titelkämpfe ganz ans Ende gesetzt wurden. Wer - wie es einigen Paaren passiert ist - in dieser Situation auch eine starke Gruppe mit zwei Medaillengewinnern von Malta einschließlich der Japaner erwischt, hat praktisch keine Chance mehr, das Finale der besten Drei jeder Gruppe zu erreichen, denn auch die Wertungsrichter wissen: das Gute kommt zum Schluss.

Die Ergebnisse im Einzelnen

In der Nage-no-Kata waren die Deutschen Meister Yusuf Arslan und Sergio Sessini die ersten Opfer der Auslosung und kamen trotz einer guten Leistung nicht über einen sechsten Platz ihrer Gruppe hinaus. Axel und Lars Racky konnten leider krankheitsgeschwächt keine besonderen Akzente setzen.

Die Auslosung brachte in der Katame-no-kata eine ähnliche Schieflage in der Verteilung der leistungsstärksten Paare auf die beiden Vorrundengruppen - und das bei 34 teilnehmenden Paaren. Sebastian Frey und Sei Kam Chow, eigentlich sichere Kandidaten für die Endrunde, erwischten ein ähnlich schweres Los wie Arslan/Sessini und wurden mit guter Darbietung Vierte ihrer Gruppe. Iris Dönges und Marianne Schuller kamen auf Platz sieben in der selben Gruppe. Beide Paare wurden für Ihre Leistung mit den „special awards“ für das beste gemischte bzw. das beste weibliche Paar ausgezeichnet. Beachtenswert ist auch der fünfte Platz der Brüder Carsten und Markus Böger in der zweiten Gruppe der Vorrunde.

Auch die Fünften der WM von Malta, Wolfgang Dax-Romswinkel und Ulla Loosen, standen nach der Auslosung aus exakt den selben Gründen praktisch schon auf verlorenem Posten, Startplatz 1, können sich aber nach ihrer Leistung und einem fünften Platz ihrer Vorrundengruppe erhobenen Hauptes auf die nächsten Wettkämpfe vorbereiten. In dieser Vorrundengruppe sind selbst die mehrfachen Europameisterinnen und Dritten der letzten WM trotz Normalleistung ausgeschieden.

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Ulla Loosen, Wolfgang Dax-Romswinkel, Iris Dönges, Marianne Schuller,
Sei Kam Chow und Sebastian Frey (von links nach rechts) (Foto: Kurt Teller)

Die Gunst der Stunde konnten Marianne Schuller und Iris Dönges erfreulicherweise nutzen und in der Vorrunde - wie auch später im Finale - die spanischen WM-Vierten des Vorjahres hinter sich lassen. Am Ende landete das deutsche Paar auf dem fünften Platz und erreichte damit die beste deutsche Platzierung dieser Wettkämpfe. Der „special award“ für das beste gemischte Paar ging in der Ju-no-Kata auch nach Deutschland, an Dax-Romswinkel/Loosen.

In der Kodokan-Goshinjutsu und in der Kime-no-Kata waren die Leistungen allgemein auf einem sehr hohen Niveau. Michael Hecker und Daniel Booss zeigten eine hervorragende Kata, die aber noch nicht ganz an die starken Italiener, Spanier und Belgier herangereicht hat. Aber die beiden sind auf gutem Wege und werden den Abstand sicher in naher Zukunft verringern. Für Dieter Born und Roman Jäger verhinderte ein Patzer gleich zu Beginn der Kata eine vordere Platzierung. Überraschend gut schlug sich das „Verlegenheitspaar“ Thomas Hoffmann und Lars Ferrlein, deren Partner sich jeweils verletzt hatten und die sich spontan für die Kodokan-Goshinjutsu zusammen gefunden haben. Der erreichte siebte Platz in der Vorrunde lässt erahnen, dass mit den etatmäßigen Partnern deutlich mehr möglich gewesen wäre.

Was bleibt an Erkenntnissen nach diesen Tagen? In Deutschland gibt es einige Paare, die Kata mittlerweile sehr konsequent trainieren und dicht an der Weltspitze sind. Andere Nationen haben konsequent mit dem Aufbau von Förderstrukturen für ihre Sportler begonnen. Hier muss der DJB mitziehen, will man nicht den Anschluss verlieren. Die Lücke kann geschlossen werden, man darf sie aber nicht größer werden lassen. Letztlich geht es um die Qualität und Ausbildung der kommenden Generation von Kata-Experten in Deutschland - und um die Chance, dass künftig unsere Judokas von Kata-Lehrern geschult werden, die sich mit den Besten der Besten auf der Matte gemessen haben.

Die Zusammenlegung mit den „Grand-Masters“ hat sich in keiner Weise bewährt. Dadurch, dass sich reine Hobby-Judokas individuell für die WM melden konnten, wurden die Teilnehmerzahlen künstlich aufgebläht, was zu Lasten aller Sportler geht. Auch wird man den „echten Masters“ nicht gerecht, wenn man sie vollkommen chancenlos in einen Wettbewerb mit der absoluten Weltspitze schickt. Will man Shiai und Kata in einer Veranstaltung kombinieren, was grundsätzlich ein reizvoller Gedanke ist, dann muss man so konsequent sein und die entsprechenden Meisterschaften zusammenführen.

Text: Lippeck/Bartsch

 
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